Sprang-Technik

 

Eine der ältesten und auch faszinierensten Techniken ist für mich die Sprang-Technik. In unseren Breiten nahezu vollständig vergessen, beherrschen nur noch wenige Spezialisten diese Art der Netztechnik. Wie auch andere mittelalterliche Techniken hat sich die Sprang-Technik unabhängig an vielen Orten der Welt entwickelt. So findet sich Sprang in ganz Europa (ausgenommen Island), aber auch in Südamerika und dem Nahen Osten. Der Coptische Sprang nimmt hier eine herausragende Stellung in Fertigung und Schönheit ein. 

 

Ein Haarnetz aus Borum-Eshöj bildet einen der ältesten belegten Sprangfunde und wird auf die Dänische Eisenzeit datiert. In den USA hielt sich die Sprangtechnik bis ins 18. Jhd. Zu dieser Zeit wurden Militärschärpen, sog. Military Sashes, in dieser Technik gefertigt. Ein besonderes Stück ist der George Washington Sash welcher auf dem Sterbebett durch General Braddock an George Washington gereicht wurde. Die Sprang-Künstlerin Carol James hat diese Schärpe rekonstruiert (www.sashweaver.com).

 

 

Kleine Handytasche in zweifarbigem Sprang
Haarnetz aus indigogefärbter Wolle

 

 

Beim Sprang wird ein Endlosfaden um zwei fix montierte Querstangen geschärt. So entsteht eine Vorder- und eine Rückseite. Je ein Faden der Vorderseite und der Rückseite bilden ein Fadenpaar. Die Fäden werden lediglich miteinander verdrillt. Die verdrillten Fadenpaare werden während der Arbeit durch eine Sicherheitsschnur und kleine Holzstäbchen an ihrem Platz gehalten. Die Arbeit endet in der Mitte, da eine Verdrehung der Fadenpaare sowohl am oberen Ende der Arbeit, wie auch am unteren Ende passiert. Die Unterseite bildet sozusagen die Spiegelung der Oberseite. Um die Arbeit bzw. das Textil zu beenden, kann in der Mitte eine Häkelreihe angeschlossen werden. So können sich die Verdrillungen nicht mehr lösen. (Häkelreihe beim Haarnetz oben, neben den Ohren zu erkennen) Alternativ kann die Mitte verwoben werden. Dies bildet, wie bei dem kleinen Handytäschchen, einen stabilen, nicht dehnbaren Boden.

 

Die in der Sprang Technik hergestellten Textilien, sind in der Vertikalen kaum, in der Horizontalen aber extrem dehnbar. Durch das Dehnen offenbaren sie eingearbeitete Muster und Lochstrukturen.