Wolle - meine Leidenschaft

Filzen ist ein äusserst sinnliches Erleben. Die Wolle steht beim Filzen im ständigen Kontakt mit der Haut - unserem grössten Sinnesorgan. Es entsteht eine Symphonie, ein Einklang, eine Verschmelzung mit diesem unglaublichen Material. Erst trocken und zart zupft man die Wolle in hauchzarte Flocken, nass und verletzlich beginnt man sie zu verwandeln. Fingerspitzengefühl...Fingerspitzen fühlen. Die Wolle beginnt ihre Metamorphose, sie verwandelt sich durch die schlichte Berührung wissender Hände. Ein stabiles Geflecht entsteht, es vermag uns zu halten, zu schützen, zu wärmen, zu faszinieren.

 

Schon nach kurzer Arbeit wird einem Bewusst, dass das gefilzte Ergebnis im direkten Zusammenhang mit der verwendeten Wolle steht. So ergibt eine raue Bergschafwolle einen stabilen, aber weniger anschmiegsamen Filz, eine feine Merinowolle, als Krönung vielleicht noch mit Seide gemischt, ergibt einen anschmiegsamen, zarten, aber keinen robusten Filz.

 

Aus meinen eigenen Erfahrungen und viel Fachliteratur einiger grosser "FilzFrauen" und "FilzMännern" möchte ich hier meine Erkenntnisse festhalten und mit anderen interessierten Filzerinnen, Filzern und allen Schaffreunden teilen.

Das Gutefår

Gutefår auf Furillen

In dem Naturschutzgebiet auf Lilla Karlsö überlebte die alte schwedische Landschafrasse Gutefår. Schon fast ausgestorben, erwarb der Schwedische Naturschutzverein 1954 die vorgelagerte Insel Lilla Karlsö um dem Gutefår einen Zufluchtsort zu bieten. Dazu beigetragen hat wesentlich ein deutscher Schafzüchter, welcher die gehörnten Schafe zusammenkaufte und die Rassenerhaltung der Gutefår zu seiner Lebensaufgabe machte. Noch zu Zeiten der DDR importierte der Berliner Tierpark eine kleine Herde Gutefår und begann die erfolgreiche Zucht der stark dezimierten Landschafrasse in Deutschland. Heute steht die Rasse wieder auf einigermassen stabilen Beinen, wobei durch viele Einkreuzungen in der Vergangenheit, nur etwa die Hälfte des Bestandes wirklich absolut reinrassig ist. 

 

Eindrucksvollstes Merkmal der Gutefår ist wohl, dass Widder wie auch Muttertiere eingerollte Hörner tragen. Die Wollfarbe der Gutefår erstreckt sich über die gesamte Graupalette und hat oft auch einen braunen Einschlag. Die Gutefår verlieren ihre Wolle selbstständig (siehe Bild). Die Wolle löst sich durch das Nachwachsen neuer Wolle. In dieser Zeit sehen die Schafe etwas "zottelig" aus. Die Wolle kann von Hand abgezogen werden. Beine und Kopf sind nicht bewollt, sondern vom sog. Stichelhaar bedeckt.

 

Die Gutefår sind umgängliche und widerstandsfähige Schafe, welche das ganze Jahr draussen gehalten werden können. Sie haben eine gemischte Vlieswolle, die sich sehr gut zum filzen und auch spinnen eignet.

 

Die Rasse wird mit relativ grosszügigen Merkmalen gezüchtet. Bei Farbe, Zeichnung, Grösse und Gewicht ist der Spielraum recht gross. Die Erhaltung der Art steht über dem Wunsch penible Kriterien zu erfüllen und Leistungsschafe mit einwandfreier Optik und einem hohen Gewicht zu züchten.

Das Gotlandschaf (Pälsullfår)

Muttertier mit Lamm

Die Gotlandschafe sind eine relativ neue Rasse, welche erst in der 20er Jahren aus den Gutefår gezüchtet wurden. Sie sind hornlos und haben eine pelzige Wolle, weshalb sie auch als Gotländische Pelzschafe (pälsullfår) bezeichnet werden.

 

Gotlandschafe zeichnen sich durch eine stark gewellte Wolle aus. Diese ist an den spitzen stark gelockt. Die Wolle ist in verschiedensten Grautönen zu finden ist. Brauntöne sind unerwünscht. Wie auch die Gutefår haben die Gotlandschafe keine bewollung an Beinen und Kopf, sondern Stichelhaar. Die Lämmer werden schwarz geboren und erhalten ihre silber-graue Wolle durch das Nachwachsen von hellen Haaren. Lammfelle sind wunderbar weich und silbrig glänzend.

 

Die Wolle reicht von mittelfein bis grob, filzt hervorragend und gibt einen sehr stabilen, aber trotzdem leichten Filz. Um eine hochwertige Wolle zu erhalten müssen die Tiere gepflegt werden und mindestens zwei mal im Jahr geschoren werden, da sie sonst schon direkt am Tier anfängt zu filzen.

 

Gotlandschafe leben heute nur noch selten unter freiem Himmel. "Für die Touristen", sagen die Einheimischen mit einem Augenzwinkern. Die meisten Gotlandschafe werden kommerziell in Ställen gehalten.

 

Mehr zum Gotlandschaf findet ihr hier: www.gotlandschaf.de

Lämmer

Das Walliser Schwarznasenschaf

Zusammen mit den Gotlandschafen, sind diese Schafe meine absoluten Lieblinge. Schon ihre Optik ist aussergewöhnlich und einzigartig.

 

Das Walliser Schwarznasenschaf ist im Oberwallis, also dem deutschsprachigen Teil des Kanton Wallis, beheimatet. Es ist ein robustes Landschaf, welches ausgezeichnet an das raue Alpenklima und das unwegsame Gelände angepasst ist. Es ist genügsam und gutmütig.

 

Wie schon erwähnt besticht das Walliser Schwarznasenschaf besonders durch seine ausgefallene Optik. Es ist komplett bewollt, inklusive Beine und Kopf. Die Wolle ist sehr lang (Stapellänge 10 cm und mehr) und hauptsächlich weiss, nur das Gesicht (Hälfte Kopf bis Nase) und die Knie sind schwarz gefärbt. Zudem trägt es schwarze "Stiefel". Imposant sind auch die korkenzieherartig gedrehte Hörner der Widder die waagrecht vom Kopf abstehen.

 

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Peter Riechsteiner bedanken. Er hat mir seinen Clip vom Widdermarkt in Visp für diese Seite zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Das Walliser Landschaf

Wie der Name schon sagt, ist auch diese Landschafrasse im Kanton Wallis (Ober- und Mittelwallis) beheimatet. Optischer etwas weniger imposant als die Schwarznase und wohl deshalb beinahe ausgestorben. Heute leben nur noch um die 900 Schafe in der Schweiz und wenige in Deutschland. Erst durch eine Initiative der Mitarbeiter der ProSpecieRara 1985 konnte diese alte Landschafrasse gerettet werden. Die genaue Abstammung ist ungeklärt, da der vermutete Ahne, das Kupferschaf, ausgestorben ist.

 

Walliser Landschafe sind robust, genügsam und haben ein freundliches Wesen. Sie werden zur Landschafspflege, oft in Naturschutzgebieten, eingesetzt. Sie stellen wenig Ansprüche an ihr Futter und sind in schwierigem Gelände trittsicher.

 

Die Wolle der Walliser Landschafe ist rotbraun und mittelfein. Sie eignet sich sehr gut zum filzen und wurde von der Landbevölkerung früher oft zur Herstellung von Unterbekleidung verwendet. Beide Geschlechter tragen gerollte Hörner, welche seitlich vom Kopf abstehen. Wie die Schwarznasen haben sie herabhängende Ohren.

 

Ich persönlich finde die sehr hellen, manchmal sogar blau erscheinenden, Augen dieser Schafe sehr auffällig und wunderschön.

 

Die Heidschnucke (graue gehörnte)

Heidschnuckenwidder "Merlin" (Danke Sam)

Die Familie der Heidschnucken ist umfangreich, unter anderem zählen auch die Gotlandschafe und Gutefår zu dieser Gattung der nordischen Kurzschwanzschafe.

 

Die graue gehörnte Heidschnucke ist das Rasseschaf, welches am weitesten verbreitet ist und noch die grösste Population aufzuweisen hat. Die Schnucke stammt vermutlich von dem in Korsika beheimateten Mufflon ab. Diese alte Landschafrasse war von der Bretagne über Schottland bis nach Sibirien auf allen nordischen Heideflächen zu finden. Wie die meisten Landschafrassen zählt auch die graue gehörnte Heidschnucke zu den gefährdeten Nutztierrassen.

 

Sie wird heute zur Landschaftspflege z.B. in der Lüneburger Heide eingesetzt. Die Rasse zeichnet sich, wie alle Landschafrassen, durch ihre Robustheit und Genügsamkeit aus. 

 

Die Heidschnucke hat eine grobe Wolle, besonders die Deckhaare sind grannenartig. Die Unterwolle ist weicher. Die Lämmer werden schwarz geboren und erhalten erst nach der Schur ihre graue, schimmernde Farbe. Die Brust ist im Idealfall schwarz. Die Beine sind ebenfalls schwarz und nicht bewollt, sondern, genau wie der Kopf, mit Stichelhaar bedeckt. Sowohl Widder als auch Muttertiere tragen Hörner. Die der Widder sind eingedreht, die der Muttertiere gerade nach hinten gebogen.

 

Die grobe Oberwolle ist wunderbar um interessante Oberflächen auf dem Filz zu erhalten. Für körpernahe Bekleidung ist sie allerdings nicht geeignet.

 

Das Jakobschaf

Meine Teilnahme am Fasertausch 2011 brachte mich zum Jakobschaf. Schon allein das imposante Aussehen dieser stolzen Tiere hat mich in den Bann gezogen.

 

Diese alte Landschafrasse hat ihre Ursprünge vermutlich in China und Persien. Schafe, den Jakobschafen ähnlich, soll es dort schon vor rund 4000 Jahren gegeben haben. Mit Nomaden kamen die Tier schliesslich bis nach Nordafrika und schliesslich nach Europa. Die gutmütigen Jakobschafe wurden bevorzugt auf Schiffen der spanischen Kriegsflotte gehalten. 1588 erlitt die spanische Kriegsflotte eine herbe Niederlage vor der Küste Englands. Viele Schiffe sanken, aber einige Schafe konnten sich an das nahe Ufer retten und wurde, nicht zuletzt wegen ihres hübschen Aussehens, in Parks vermögender englischer Landlords gehalten.

 

Auf dem europäischen Festland geriet die Rasse in Vergessenheit und starb aus. Das gleich Schicksal drohte den Jakobschafen in England. Durch den Einsatz einiger Züchter der "The Jacob-Sheep Society" konnte die Rasse in den 50er Jahren wieder populär gemacht werden und fand auch wieder Liebhaber auf dem Festland. 

 

Schon das Aussehen des Jakobschaf ist speziell. Das gefleckte Fell reicht von weiss über braun bis hin zu schwarzbraun. All diese Farben sind hier an einem Tier zu finden. Das Jakobschaf könnte als der "Dalmatiner" unter den Schafen bezeichnet werden.

 

Sowohl Widder als auch Muttertiere tragen zwei bis vier, selten sechs Hörner. Dabei sind die Hörner der Widder ausgeprägter und imposanter als die der Muttertiere.

 

Die Wolle der Jakobschafe hat klare Stapel, die gross gelockt oder auch ganz fein gekräuselt sein können. Das Farbspiel kann man teilweise innerhalb eines Stapels klar erkennen. Die Wolle zeichnet sich durch eine grosse Elastizität aus. Die Wolle ist gleichermassen zum Filzen, Spinnen und Weben geeignet.

 

Wolle des Jakobschaf